Die wahren Probleme entstehen nach dem Launch
Dieser Artikel richtet sich nicht gegen Squarespace als Tool – und auch nicht gegen einzelne Anbieter. Ich selbst arbeite nicht mit Squarespace. Ich sehe diese Software aber als symptomatisch für eine bestimmte Bewegung, die ich seit Jahren verfolge.
Wenn du eine Website beauftragst, denkst du vermutlich an Texte, Fotos, Gestaltung und Wirkung. Wie fühlt sich die Seite an? Passt sie zu dir? Sieht sie professionell aus? Das ist absolut nachvollziehbar.
Und gerade Squarespace ist dafür bekannt, viele schöne Fertig-Templates anzubieten, die das Auge erfreuen. Die Do-it-yourself-Mentalität hat in den vergangenen Jahren viele Menschen angezogen, die auf Basis der scheinbar unkomplizierten Templates ein Geschäftsmodell für sich entdeckt haben und nun – meist ohne tiefere Erfahrung – als Webdesigner auftreten.
Oft kommt das so: Die erste Website für das eigene Business mit Ach und Krach mit einem Squarespace-Template gebastelt. Festgestellt: Sieht doch okay aus. Das kann ich ja jetzt auch gegen Geld für andere machen … Easy-peasy.
Denn so ein Template ist schnell zusammengeklickt, Probleme werden durch Workarounds kaschiert (Motto: „Dann geht das halt dann einfach nicht“). Die fehlende Expertise und mangelnde Erfahrung lassen keine besseren Lösungen zu.
Und dieses Manko kann für dich und dein Business fatale Folgen haben – die du aber möglicherweise erst nach Monaten zu spüren bekommst. Dann, wenn der Designer schon verschwunden (oder im ungünstigsten Fall) sein „Business“ wieder aufgegeben hat.
Warum viele Anbieter nur bis zum Launch denken
Gerade bei Websites, die mit Baukastensystemen umgesetzt werden, ist der Projektablauf oft wie folgt: Kennenlerngespräch, Auswahl eines Templates, Umsetzung (also Einfügen von Texten und Bildern), Übergabe – kurze Schulung zur eigenen Pflege der Inhalte.
Das ist ein Geschäftsmodell, das auf die spätere Selbstständigkeit der Kunden setzt. Du bekommst eine fertige Website und sollst danach selbst damit arbeiten. Viele wollen das auch so: unabhängig sein und Nachfolgekosten vermeiden.
Schwierig wird es dann, wenn Probleme entstehen und niemand weiterhelfen kann. Denn die meisten gehen davon aus, dass der Designer auch nach dem Launch noch zur Verfügung steht – für technische Anpassungen, rechtliche Veränderungen, neue Anforderungen oder schlicht für die Frage: Was passiert jetzt eigentlich, wenn sich etwas ändert?
Und da hört das Angebot von fast allen Squarespace-Designern auf. Denn hier fehlt oft die Markterfahrung. Nicht im Design, sondern im Verständnis dessen, was eine Website im Alltag wirklich bedeutet.
„Closed Shop“ versus Open Source – was das für dich bedeutet
Im Gegensatz zu Open-Source-Lösungen wie WordPress bist du bei Squarespace an deren proprietäres Ökosystem gebunden. Das bietet dir zwar ein Rundum-sorglos-Paket (Hosting, Sicherheit, Updates inklusive), macht einen späteren Umzug zu einem anderen Anbieter aber technisch aufwendiger.
Im Prinzip kannst du später wieder von vorn anfangen. Ich bin sicher, dass dir das kaum ein Squarespace-Designer verraten würde. Auch hier wieder, nicht wegen böser Absicht, sondern mangels besseren Wissens.
Gestalten vs. Verantwortung – ein oft unterschätzter Unterschied
Eine Website zu gestalten heißt zunächst, eine schöne Oberfläche zu entwickeln. Verantwortungsbewusstes Webdesign geht viel tiefer. Es bedeutet, wirklich informierte Entscheidungen zu treffen, ihre langfristigen Folgen vorauszusehen und mitzutragen.
Es gibt Anbieter, die Websites oberflächlich gestalten. Und es gibt Anbieter, die ihr Webdesign wirklich verantworten. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Was Verantwortung im Web konkret bedeutet
Verantwortung im Web bedeutet, über Layouts hinauszudenken. Es geht um Struktur, Wartbarkeit, Erweiterbarkeit, rechtliche Rahmenbedingungen, externe Dienste, Sicherheitsfragen – und darum, erreichbar zu bleiben, wenn sich etwas verändert.
Dazu gehört seit 2025 auch im verstärkten Maße das Thema Barrierefreiheit. Nicht als technisches Extra, sondern als Qualitätsmerkmal. Farbkontraste, Lesbarkeit, klare Strukturen oder Tastaturbedienbarkeit lassen sich nicht einfach „nachschieben“, wenn das Design bereits steht. Sie müssen von Anfang an mitgedacht werden – gestalterisch, technisch und inhaltlich.
Erfahre mehr darüber in diesem Artikel: Barrierefreiheit im Web: Verantwortung statt Pflichtübung
Recht, Haftung und Aufklärung gehören zur Verantwortung
Viele unterschätzen komplett, welche Verantwortung sie mit einer Website tatsächlich eingehen.
„Es ist doch nur ein bisschen Text und Bild. Da kann ich doch machen, was ich will! Ist doch MEINE Website.“
Ein leider weitverbreiteter Irrtum. In der Praxis ist eine Website ein geschäftliches Werk, das rechtliche und organisatorische Konsequenzen haben kann.
Zu Markterfahrung gehört, Kunden auch auf Dinge hinzuweisen, die außerhalb von Design und Technik liegen – die aber durch ein Website-Projekt trotzdem relevant werden können.
Ein Grund mehr, diese wichtige Arbeit nicht „irgendwem“ anzuvertrauen – sondern sehr kritisch zu hinterfragen, wie viel Wissen und Erfahrung tatsächlich vorhanden ist.
Nicht ein „volles“ Portfolio – das aber vielleicht aus schönen, aber fiktiven Projekten besteht – zählt hier. Sondern echte, langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Kunden.
Website-Betreiber haben davon meist keine Ahnung
Und das kann sie teuer zu stehen kommen. Und es gibt noch weitere Aspekte: Webdesign wird häufig von selbstständigen Einzelunternehmern erbracht. Daraus können sich für Auftraggeber unter bestimmten Voraussetzungen Melde- oder Abgabepflichten ergeben, etwa gegenüber der Künstlersozialkasse.
Viele wissen das nicht – und können es auch nicht wissen, wenn niemand darüber spricht. Genau deshalb gehört diese Aufklärung für mich zu verantwortungsvollem Webdesign.
Erfahre mehr darüber in diesem Artikel: Künstlersozialabgabe (KSA) 2025
Sensibilisierung im Webdesign ist wichtig
Spätestens mit Blick auf rechtliche Anforderungen und Barrierefreiheit wird deutlich: Websites sind keine statischen Designobjekte. Ein schönes Template macht noch keine Website, die im Betrieb alle Prüfungen besteht. Eine tragfähige Website muss laufend überprüft, angepasst und begleitet werden – fachlich wie rechtlich. Und da ist es mehr als fraglich, ob jeder Baukasten-Designer dazu willens und in der Lage ist.
Was dann passiert: Diese Kunden landen bei uns und anderen, seriöseren Anbietern – und fangen wieder ganz von vorn an. Oder noch schlimmer: Sie mussten sich bereits diversen Abmahnungen stellen.
Betreuung als Haltung, nicht als Produkt
Langfristige Begleitung bedeutet nicht, Kunden abhängig zu machen. Auch zunächst oft diese Angst mitschwingt.
Sie bedeutet, Zuständigkeiten klar zu halten, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und Probleme dort zu lösen, wo sie entstehen – nicht erst, wenn sie eskalieren.
Ich begleite Websites ganz bewusst nicht nur bis zum Launch, sondern verstehe sie als laufende Systeme, die langfristig Betreuung und gute Pflege brauchen. Nur dann bleiben sie lange am Leben und verhalten sich regelkonform.
Erfahre mehr darüber in diesem Artikel: Warum eine Website langfristig Betreuung braucht
Reichweite ersetzt keine Erfahrung
Der Markt hat sich verändert. Viele Anbieter setzen heute stark auf Social Media, Sichtbarkeit und kontinuierliche Selbstdarstellung. Auch das ist ein legitimer Weg, Kunden zu gewinnen.
Mein eigener Weg ist ein anderer. Meine Projekte entstehen überwiegend über Empfehlungen zufriedener Kunden. Über Zusammenarbeit, die lange währt. Über Websites, die über viele Jahre konsequent weiterentwickelt werden, statt ersetzt zu werden. Keine Eintagsfliegen, sondern eine jederzeit ausbau- und anpassungsfähige Geschäftsgrundlage.
Mein Credo: Social Media-Reichweite erzeugt kurzfristig Aufmerksamkeit. Aber nur langjährige Markterfahrung erzeugt Vertrauen und ist die Voraussetzung für wirklich professionelles Webdesign.
Eine Website ist kein schnelles Projekt, sondern eine Entscheidung mit ernsthaften Konsequenzen
Dieser Artikel ist kein Plädoyer gegen bestimmte Tools oder Anbieter. Er ist eine Einladung, genauer hinzuschauen. Nicht nur auf das Design, sondern auf das dahinterliegende Verständnis von Verantwortung.
Eine Website begleitet ein Business oft länger, als dir beim Start bewusst ist. Meist sogar viele, viele Jahre. Umso wichtiger ist die Frage, wer nicht nur oberflächlich gestaltet – sondern auch langfristig, in guten wie in schlechten Zeiten, an deiner Seite bleibt.