Warum „KI-lesbar“ nichts mit Technikspielereien zu tun hat
Wenn wir über KI-Bots sprechen, denken viele sofort an neue Tools, spezielle Markups oder technische Abkürzungen. In der Praxis ist es deutlich einfacher – und gleichzeitig anspruchsvoller.
KI liest Websites nicht wie ein Mensch, sie interpretiert sie. Sie versucht zu verstehen:
- Worum geht es hier?
- Für wen ist das relevant?
- Wie eindeutig sind die Aussagen?
- Wie vertrauenswürdig wirkt die Quelle?
Eine Website, die für KI unklar ist, wird nicht falsch verstanden. Sie wird schlicht ignoriert. Genau deshalb entscheidet heute nicht mehr nur gutes SEO über Sichtbarkeit, sondern die Qualität deiner inhaltlichen Struktur.
1. Ein Thema pro Seite – keine inhaltlichen Mischformen
KI liebt Klarheit. Jede einzelne Seite deiner Website sollte ein klar umrissenes Thema haben.
Problematisch sind Seiten, die:
- mehrere Angebote vermischen
- unterschiedliche Zielgruppen gleichzeitig ansprechen
- zwischen Information, Marketing und Image wechseln
Stattdessen gilt:
- eine Seite = ein zentrales Thema
- eine klare Hauptaussage
- ein eindeutiger Kontext
Je präziser du das Thema einer Seite formulierst, desto leichter kann KI diese Seite einordnen – und später auch zitieren oder empfehlen.
2. Überschriften, die erklären statt neugierig zu sein
Kreative Überschriften funktionieren für Menschen manchmal gut, für KI fast nie. Eine KI nutzt Überschriften als inhaltliches Gerüst. Sie erwartet dort Orientierung, keine Rätsel.
Beispiele:
- statt „Unsere Lösungen“ → „Webdesign & Markenentwicklung für Dienstleister“
- statt „Was wir anders machen“ → „So unterscheidet sich unsere Arbeitsweise von klassischen Webagenturen“
Überschriften sind für KI das, was ein Inhaltsverzeichnis für Leser ist. Wenn dort Unklarheit herrscht, verliert sie den Kontext.
3. Saubere Hierarchie: H1, H2, H3 mit Sinn
Eine klare Überschriftenstruktur ist kein Formalismus, sondern ein zentrales Signal für KI.
Grundprinzip:
- eine H1 pro Seite (das Hauptthema)
- H2 für die großen inhaltlichen Blöcke
- H3 für Unterthemen, Erklärungen oder Detailfragen
Was vermieden werden sollte:
- mehrere H1-Überschriften
- rein gestalterisch eingesetzte Headings
- Überschriften ohne inhaltliche Verbindung zum Text darunter
Je logischer deine Struktur, desto besser kann KI Zusammenhänge erkennen und Inhalte bewerten.
4. Begriffe einordnen statt Buzzwords stapeln
KI erkennt Fachbegriffe – aber sie versteht sie nur im Zusammenhang.
Gerade bei Themen wie Strategie, Design oder Beratung reicht es nicht, Begriffe einfach zu nennen. Sie müssen eingeordnet werden.
Statt nur zu schreiben: „Wir entwickeln ganzheitliche Marken.“ Ist das für KI deutlich hilfreicher: „Ganzheitliche Markenentwicklung bedeutet bei uns: Positionierung, visuelle Identität, Sprache und Website werden gemeinsam gedacht und umgesetzt.“
Kontext schafft Bedeutung. Und Bedeutung ist die Grundlage für KI-Verständnis.
5. Inhalte, die Antworten geben – nicht nur Behauptungen
KI bevorzugt Inhalte, die erklärend sind. Aussagen ohne Begründung oder Einordnung sind für sie kaum verwertbar.
Starke Inhalte zeichnen sich aus durch:
- Ursache-Wirkung-Zusammenhänge
- klare Erklärungen
- nachvollziehbare Argumente
Besonders gut funktionieren:
- FAQ-ähnliche Abschnitte
- Zwischenüberschriften mit „Warum“, „Wie“, „Was bedeutet das konkret?“
- erklärende Absätze statt Werbeslogans
Wer Antworten liefert, erhöht die Chance, von KI als Quelle herangezogen zu werden.
6. Vertrauen sichtbar machen: Wer spricht hier – und warum?
KI bewertet nicht nur Inhalte, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit. Dabei spielen ähnliche Faktoren eine Rolle wie bei Menschen.
Wichtig sind unter anderem:
- eine aussagekräftige Über-uns-Seite
- klare Positionierung
- konsistente Aussagen über mehrere Seiten hinweg
- erkennbare Erfahrung und Haltung
Eine Website, die zeigt, wer spricht und warum, wirkt für KI deutlich vertrauenswürdiger als anonyme Marketingtexte.
7. Technische Grundlagen: zugänglich schlägt kompliziert
Ohne in technische Details abzutauchen, gibt es ein paar Basics, die entscheidend sind:
- Texte müssen im HTML stehen, nicht in Grafiken oder Slidern
- saubere Seitenstruktur ohne unnötiges Chaos
- gute Ladezeiten und mobile Optimierung
- Inhalte dürfen nicht hinter Effekten „versteckt“ sein
Die beste inhaltliche Strategie hilft wenig, wenn KI sie technisch nicht sauber auslesen kann.
Deine Website ist heute mehr Quelle als Ziel
Früher ging es vor allem darum, über Suchmaschinen gefunden zu werden. Heute entscheidet KI oft schon vor dem Klick, ob deine Website überhaupt besucht wird.
Das verändert den Anspruch an Websites grundlegend:
- weniger Show
- mehr Klarheit
- mehr Substanz
Eine KI-lesbare Website ist keine für Maschinen optimierte Seite. Sie ist eine Website, die weiß, wofür sie steht – und das klar kommuniziert.
Wenn du deine Inhalte so aufbereitest, dass Menschen sie sofort verstehen, wird KI automatisch folgen. Genau dort entsteht die Sichtbarkeit der nächsten Jahre.