Onlineshop: Die Pro- & Contra-Checkliste

Mit einem Onlineshop dein Geschäft ausbauen? Die Checkliste hilft bei der Entscheidung
Onlineshop: Die Pro- & Contra-Checkliste
Inhalt

Nach dem „Warum“ kommt das „Passt das wirklich?“

Im Artikel „Onlineshop – ja oder nein?“ ging es darum, warum ein Onlineshop keine technische Spielerei ist, sondern eine unternehmerische Entscheidung. Nun folgt zwangsläufig die nächste Frage:

Passt ein Onlineshop überhaupt zu meinem Vorhaben – oder gibt es eine einfachere, sinnvollere Lösung?

Diese Checkliste ersetzt keine Entscheidung. Aber sie hilft dabei, sie nicht aus dem Bauch heraus zu treffen.

1. Welche Rolle spielt der Verkauf in deinem Geschäftsmodell?

Der wichtigste Punkt zuerst – und gleichzeitig der am häufigsten übersprungene. Ein Onlineshop ergibt vor allem dann Sinn, wenn der Verkauf ein tragender Bestandteil deines Geschäfts ist. Nicht, wenn er „auch noch mitlaufen soll“. Frag dich ehrlich:

  • Ist der Verkauf zentral oder nur ergänzend?
  • Erwartest du regelmäßige Verkäufe oder eher gelegentliche Bestellungen?
  • Ist der Shop Umsatztreiber oder eher ein Nice-to-have?

Je weiter der Verkauf vom Kern deines Geschäfts entfernt ist, desto kritischer solltest du einen vollwertigen Shop hinterfragen.

2. Wie sehen deine Produkte wirklich aus?

Nicht jedes Produkt eignet sich automatisch für einen klassischen Shop. Relevante Fragen sind zum Beispiel:

  • Wie viele Produkte gibt es tatsächlich?
  • Handelt es sich um physische oder digitale Produkte?
  • Gibt es Varianten, Personalisierungen oder Sonderfälle?
  • Wie hoch ist der Preis?
  • Und wie erklärungsbedürftig ist das Produkt?

Ein einzelnes, erklärungsbedürftiges Angebot braucht oft keinen Warenkorb, sondern Klarheit, Vertrauen und einen sauberen Prozess. Vielleicht sogar eher eine dezidierte Landingpage als einen echten Shop.

3. Bist du organisatorisch auf einen Shop eingestellt?

Ein Shop verkauft nicht nur – er verwaltet. Überleg dir deshalb:

  • Wer kümmert sich um Bestellungen, Rückfragen und Reklamationen?
  • Wer bearbeitet Rückgaben oder Stornierungen?
  • Wer kontrolliert Zahlungseingänge und Rechnungen?
  • Wer hält Inhalte, Preise und Verfügbarkeiten aktuell?

Denn leider entsteht dieser Aufwand unabhängig davon, ob du viel oder wenig verkaufst. Ein Shop reduziert Arbeit nicht automatisch – er verlagert sie lediglich.

4. Recht & Verantwortung: Bist du bereit dafür?

Ein Onlineshop bedeutet in erster Linie große Verantwortung. Dazu gehören unter anderem:

  • Widerrufsrechte und Rückabwicklung
  • korrekte Preis- und Versandangaben
  • Haftung als Verkäufer
  • steuerliche Pflichten und saubere Buchhaltung

Wenn du nicht mit rechtlicher Beratung an das Thema Onlineverkauf gehst, musst du dir das juristische Hintergrundwissen dazu aneignen. Das ist nicht zwingend ein Argument gegen einen Shop. Aber ein sehr gutes Argument dafür, sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden.

5. Welche technischen Konsequenzen bist du bereit zu tragen?

Ein Shop ist technisch anspruchsvoller als eine klassische Website. Wenn deine normale Website „abschmiert“ ist das ärgerlich, aber in den meisten Fällen kein großes Problem. Wenn dein Onlineshop kaputt ist, vernichtest du potenziellen Umsatz. Sei bereit für:

  • regelmäßige Updates & Funktionstests
  • Abhängigkeiten von Zahlungsanbietern
  • Sicherheitsanforderungen
  • langfristige Wartung und Pflege

Ein klassischer WordPress-Shop mit WooCommerce ist sehr leistungsfähig und maximal flexibel – bringt aber genau diese Verantwortung mit sich. Andere Systeme sind bequemer, dafür oft stärker eingeschränkt. Technik ist nie neutral. Sie entscheidet mit, wie frei oder abhängig du langfristig bist.

6. Was ist dein eigentliches Ziel?

Diese Frage bündelt alles zuvor gesagte. Willst du…

  • automatisiert verkaufen?
  • Reichweite aufbauen?
  • ein Produkt testen?
  • ein bestehendes Angebot ergänzen?
  • Prozesse vereinfachen?

Nicht jedes Ziel braucht einen Onlineshop. Manchmal ist ein klar strukturierter Verkaufs- oder Anfrageprozess die deutlich passendere Lösung.

Welche Optionen es grundsätzlich gibt

Erst nach dieser Einordnung lohnt sich der Blick auf konkrete Lösungsmodelle. Je nach Ausgangslage kommen unter anderem infrage:

  • ein klassischer Onlineshop mit eigener technischer Verantwortung
  • externe Shopsysteme und Plattformen (mit entsprechenden Abhängigkeiten)
  • Verkaufsplattformen von Drittanbietern
  • Zahlungslinks oder manuell organisierte Verkaufsprozesse
  • kein Shop, sondern ein klar geführter Anfrage- und Verkaufsprozess

Keine dieser Optionen ist per se richtig oder falsch. Entscheidend ist, ob sie zu deinem Geschäftsmodell, deiner Kapazität und deiner Verantwortung passen.

Gerade bei externen Plattformen lohnt sich ein genauer Blick auf Einschränkungen und Abhängigkeiten. Dazu habe ich bereits ausführlich im Artikel zu Closed-Shop-Modellen geschrieben.

Bist du bereit für den nächsten Schritt?

Viele Entscheidungen für oder gegen einen Shop scheitern nicht an der Technik, sondern an falschen Erwartungen. Ein Onlineshop ist kein Selbstläufer. Aber er kann ein starkes Werkzeug sein – wenn er bewusst eingesetzt wird.

Ich setze selbst kaum noch Onlineshops um. Nicht, weil ich es nicht könnte, sondern weil ein Shop mehr braucht als eine gute technische Umsetzung. Und auf dieses „mehr“ sind die meisten gar nicht wirklich vorbereitet.

Was ich anbiete, ist genau dieser Schritt davor: eine ehrliche, fundierte Einschätzung, ob ein Onlineshop für dein Vorhaben sinnvoll ist – oder ob eine andere Lösung langfristig besser passt.

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