Ein Onlineshop ist keine „Erweiterung“ deiner Website
„Kannst du mir einen kleinen Shop bauen? Ich will gerne meine Logo-Tassen, Shirts oder Bücher verkaufen.“
Das höre ich häufiger von meinen Kunden: Denn, eine Website ist ja jetzt vorhanden und damit auch die technische Infrastruktur. Warum also im nächsten Step nicht auch etwas darüber verkaufen?
Das Problem daran ist gar nicht einmal die Idee. Das Problem ist die Annahme, ein Onlineshop sei so eine Art „Zusatzmodul“ zur Website – etwas, das man mal eben dranbastelt, anschaltet und der Rubel rollt.
Weiter von der Realität kann dieser Gedanke leider gar nicht entfernt sein. Tatsächlich triffst du mit einem Onlineshop nicht einfach eine weitere Design- oder Technikentscheidung, sondern schlägst eine neue unternehmerische Richtung mit gewaltiger Tragweite ein.
Bevor du Zeit, Geld und Energie in etwas steckst, das dir am Ende vielleicht mehr Stress und Ärger bringt, möchte ich dir in diesem Artikel einige Denkanstöße geben.
Ein Onlineshop verändert die Rolle deiner Website grundlegend
Eine klassische Website informiert, positioniert, überzeugt. Auch hier muss man schon gut aufpassen, alles korrekt zu machen. Ein Onlineshop jedoch katapultiert dich in eine vollkommen andere rechtliche Sphäre.
Sobald ein Checkout ins Spiel kommt, verändert sich die Funktion deiner Website grundlegend. Du nimmst Geld entgegen, verarbeitest sensible personenbezogene Daten, schließt rechtsverbindliche Kaufverträge und übernimmst Haftung als Verkäufer.
Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob du ein einziges Produkt anbietest, zwanzig oder zehntausend. Rechtlich und organisatorisch ist der Schritt derselbe. Ein Shop ist also kein weiteres Seitentemplate, sondern ein Verkaufsmodell mit richtig viel Verantwortung.
Was ein Onlineshop rechtlich und steuerlich bedeutet
Beim Thema Recht denkst du vermutlich erstmal an Impressum und Datenschutzerklärung. Damit ist schon eine gute Basis gelegt. Für einen Onlineshop reicht das bei weitem nicht aus.
Je nach Ausgestaltung gehören unter anderem dazu korrekte Preisangaben inklusive Mehrwertsteuer und Versandkosten, eine rechtssichere Widerrufsbelehrung, passende AGB, funktionierende Rückabwicklungsprozesse sowie eine saubere Rechnungsstellung mit entsprechenden Aufbewahrungspflichten.
Sobald digitale Produkte, Dienstleistungen oder Verkäufe ins EU-Ausland dazukommen, wird es schnell komplexer. Das alles ist lösbar – aber es ist kein Nebenthema. Und vor allem nichts, was man nach dem Launch einfach ignorieren kann.
Vollwertiger Onlineshop – oder andere Möglichkeiten?
Brauche ich wirklich einen Onlineshop? Oder brauche ich lediglich eine Möglichkeit, etwas zu verkaufen? Diese Unterscheidung ist fundamental.
Ein vollwertiger Shop ergibt vor allem dann Sinn, wenn der Verkauf ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells ist, regelmäßig Produkte verkauft werden, mehrere Angebote aktiv beworben werden sollen und Prozesse möglichst automatisiert ablaufen müssen.
Lese-Tipp: Pro- & Contra-Checkliste zum Thema Onlineshops
Wenn es hingegen um einzelne Produkte, kleine Stückzahlen oder ergänzendes Merchandising geht, ist ein klassischer Onlineshop oft strategisch überdimensioniert – selbst wenn er technisch umsetzbar wäre.
Welche Lösungswege es grundsätzlich zum Verkaufen gibt
Ohne Systeme zu bewerten oder konkrete Empfehlungen auszusprechen, lassen sich verschiedene Modelle unterscheiden.
Dazu gehören klassische Onlineshops, zum Beispiel mit WordPress in Kombination mit WooCommerce, ebenso wie externe Shopsysteme und Plattformen, Verkaufsplattformen von Drittanbietern, Zahlungslinks oder manuell organisierte Verkaufsprozesse. In manchen Fällen ist auch gar kein Shop nötig, sondern lediglich ein klar strukturierter Anfrage- und Verkaufsprozess.
Jede dieser Varianten bringt eigene Konsequenzen mit sich – rechtlich, organisatorisch und strategisch.
Gerade bei externen Plattformen lohnt sich ein genauer Blick auf Abhängigkeiten und Einschränkungen. Genau darum geht es auch in meinem Artikel zu sogenannten Closed-Shop-Modellen, auf den ich an anderer Stelle ausführlich eingehe.
Entscheidend ist nicht das System, sondern die Verantwortung, die du damit übernimmst.
Warum „nur ein paar Produkte verkaufen“ kein guter Grund ist
Die Motivation hinter kleinen Shops ist meist nachvollziehbar. Man möchte etwas ausprobieren, sichtbarer werden oder ein bestehendes Angebot ergänzen. Warum auch nicht?
Was dabei häufig unterschätzt wird: Ein Onlineshop verursacht konstanten Aufwand – unabhängig davon, ob er gut läuft oder nicht. Rechtstexte müssen aktuell bleiben, Systeme brauchen Updates, Zahlungsprozesse müssen kontrolliert werden, Anfragen, Rückgaben und Rechnungen müssen sauber abgewickelt werden.
Wenn der Verkauf kein klar geplanter Bestandteil des Unternehmens ist, steht dieser Aufwand oft in keinem gesunden Verhältnis zum tatsächlichen Ertrag.
Warum ich kaum noch Onlineshops umsetze
Ich setze aktuell nur noch für einen bestehenden Kunden einen Onlineshop um. Nicht, weil ich es technisch nicht könnte, sondern weil ich sehr bewusst entscheide, wo ich Verantwortung übernehme.
Ein Onlineshop ist kein Projekt mit „Go live und fertig“. Er erfordert laufende Betreuung, rechtliche Aufmerksamkeit und klare Zuständigkeiten. Diese Verantwortung muss gewollt sein – und sie muss getragen werden. Vom Unternehmen selbst oder gemeinsam mit einem festen Partner.
Was ich stattdessen anbiete
Ich baue keine Onlineshops mehr als Standardleistung. Aber ich berate bei der Frage, ob ein Shop sinnvoll ist – und wenn ja, in welcher Form.
Genau hier entsteht oft die größte Klarheit: vor der Systemwahl, vor der technischen Umsetzung, vor der Investition. Manchmal ist das Ergebnis tatsächlich ein Shop. Sehr oft ist es eine andere, deutlich passendere Lösung.
Ein Schritt zurück kann der beste erste Schritt sein
Wenn du darüber nachdenkst, Produkte online zu verkaufen, lohnt sich ein Schritt zurück. Nicht, um dich und deine Ideen auszubremsen, sondern um realistisch zu entscheiden.
Ich unterstütze dich gern dabei, diese Entscheidung fundiert zu treffen – strategisch, realistisch und mit Blick auf das, was langfristig zu dir und deinem Geschäftsmodell passt.