Ein Kontaktformular ist doch Standard und nicht der Erwähnung wert …
Ganz so einfach ist es nicht. Denn sobald du ein Kontaktformular einsetzt, eröffnest du ein technische und rechtliches Minenfeld – und übernimmst dafür die Verantwortung.
Bevor du dich also für oder gegen ein Kontaktformular entscheidest, nimm dir ein paar Minuten Zeit für diese Checkliste:
1. Deine Ziele & Zielgruppe
- Ich glaube, dass ein Formular einladend wirkt und die Kontaktanbahnung erleichtert.
- Ich biete mehrere Leistungen an – es ergibt Sinn, wenn Kunden im Formular direkt auswählen könnten.
- Ich möchte bestimmte Informationen ganz gezielt abfragen – ein Kontaktformular ist dafür das richtige Mittel.
2. Der technische Aufwand im Hintergrund
- Ich bin bereit, meinem Webdesign-Team Zugang zu meinem Hosting-Account zu geben, damit sie komplexe DNS-Einstellungen wie SPF, DKIM und DMARC für den Mailversand setzen können.
- Ich weiß, dass WordPress von Haus aus keine zuverlässige E-Mail-Zustellung garantiert – und bin bereit, ein SMTP-Plugin einrichten zu lassen, um den Versand abzusichern.
- Mir ist bewusst, dass große Mail-Anbieter wie Gmail, Yahoo oder T-Online E-Mails blockieren, wenn keine Sender-Verifizierung eingerichtet ist – und dass meine Webdesignerin hier zusätzliche Arbeit hat, um das abzusichern.
- Ich bin mir darüber im Klaren, dass nach der Einrichtung getestet werden muss, ob Kontaktanfragen wirklich sicher ankommen – und dass das ebenfalls Zeit und Know-how erfordert. Und dass sich auch langfristig Probleme ergeben können.
Wenn du grad nur noch Bahnhof verstehst, dann lies den Artikel: Kontaktformulare auf Websites: Hopp oder top?
3. Recht, Sicherheit und Inklusion
- Ich weiß, dass ein Kontaktformular personenbezogene Daten verarbeitet – und deshalb ganz klar unter die DSGVO fällt. Mir ist auch klar, dass mein Webdesign-Team zur Erreichung der DSGVO-Konformität Arbeitsaufwand hat.
- Ich nutze das Formular ausschließlich zur Kontaktaufnahme – und nicht, um Werbung zu verbreiten.
- Ich bin mir bewusst, dass auch das Wettbewerbsrecht hier mitspielt – und ich keine Abmahnung riskieren möchte.
- Ich lasse Spamschutz aktivieren, damit keine Bot-Anfragen meine Seite belasten und zur Gefahr machen.
- Ich lasse auch checken, dass das Formular und das Prozedere, es zu befüllen, barrierefrei oder zumindest barrierearm sind. Nicht, weil ich es unbedingt muss, sondern weil ich niemanden ausschließen möchte.
4. Zeit & Budget
- Mir ist klar: Ein Formular ist kein einfacher Standard – sondern eine Zusatzfunktion, die technisch und rechtlich korrekt umgesetzt werden muss und einer laufenden Kontrolle bedarf.
- Ich bin bereit, für diesen Mehraufwand (Beratung, Einrichtung, Absicherung, Testing) zusätzlich zu zahlen.
Deine Auswertung
Zähle deine Häkchen:
0–5: Okay, du bist dir sicher, dass deine Kunden etwas davon haben. Und du auch. Das ist gut. Aber das reicht noch nicht. Nutze lieber eine alternative Möglichkeit der Kontaktanbahnung (s. unten).
6–9: Ein Kontaktformular einzusetzen, kommt in Frage, aber nicht ohne gute Vorbereitung. Sprich mit deinem Webdesign-Team, ob sie ausreichend gute Kenntnisse haben.
10–13: Das ist bereits eine gute Basis! Ein Formular kann für dich sinnvoll sein, weil du den Hintergrund verstanden hast und Verantwortung übernimmst.
14–15: Perfekt! Du bist super informiert und weißt genau, worauf du dich einlässt und warum ein Kontaktformular auch Risiken birgt und „teuer“ ist. Go for it! Aber behalte auch für später im Hinterkopf, dass ein Kontaktformular langfristig Aufwand und Pflege bedeutet.
Was sind mögliche Alternativen zum Kontaktformular?
- E-Mail-Adresse im Klartext: hello@deine-domain.de
- Button mit Mailto-Link: öffnet direkt das E-Mail-Programm
- Terminbuchung via Tool: z. B. Calendly, TuCalendi etc.
- Messenger Links: WhatsApp Business, Signal, Threema etc.
Ob ein Kontaktformular für dich sinnvoll ist oder du besser eine Alternative nutzt, klären wir gern im Beratungsgespräch. Eines solltest du aber nicht voraussetzen: dass ein Kontaktformular Standard ist und zu jeder Website dazugehört.
Warum „andere“ Webdesigner nicht so einen Bohei machen?
Das kann unterschiedliche Gründe haben. Ich tippe auf:
- Fehlende Praxis und Erfahrungswerte: Keine Ahnung von der Problematik und / oder die Haltung: Egal, wird sich „dann“ schon irgendwie lösen lassen, auch wenn nicht unbedingt zufriedenstellend.
- Geschäftstaktik Sichere Anbahnung: Kunden leicht gewinnen wollen und bloß nicht verunsichern oder vergraulen, also daher lieber auch nicht vorab professionell aufklären.
- Geschäftstaktik Upselling: Wenn man den Kunden erstmal im Sack hat, kann man die späteren Leistungen (Kontaktformular zickt schon wieder, duh) gewinnbringend extra berechnen.
Das kann man so machen – meins ist es nicht. Ich kläre lieber umfassend auf, auch wenn das schon Richtung „vergraulen“ geht. Besser vorher Tacheles reden als hinterher schlechte Stimmung haben.
Wenn das für dich gut klingt und du auch lieber auf diese Weise arbeitest, sprich mich gern an!