Die alte Nischen-Idee war richtig – aber schwer umsetzbar
Jahrelang galt die Nischenpositionierung als richtige Idee mit schlechtem Timing. Heute zeigt sich: Die Idee war nie falsch – das System war es.
Denn mit KI-Suche verändert sich gerade etwas Grundlegendes: Nicht mehr derjenige gewinnt, der am besten optimiert ist. Sondern derjenige, der am klarsten beschrieben ist.
Die Botschaft war immer dieselbe:
- Stell dich klar auf
- Sprich nicht alle an
- Sei spezifisch
- Lieber wenige passende Kunden als viele falsche
In der Theorie absolut sinnvoll. In der Praxis oft frustrierend. Warum?
Weil Menschen nicht in Nischen gesucht haben. Sie konnten ihre Probleme oft gar nicht so konkret benennen, wie es dafür nötig gewesen wäre.
Nischenposition vs. breite Positionierung – ein Vergleich
Was ist überhaupt eine Nische? Und was ist das Gegenteil davon? Wir sprechen hier von zwei Arten, eine Website inhaltlich auszurichten – mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf Verständlichkeit, Vergleichbarkeit und KI-Empfehlungen.
Die Nischen- oder „spitze Positionierung“
Eine Nischenposition bedeutet, dass eine Website klar beschreibt, für wen sie gemacht ist und welche konkreten Probleme sie in einem bestimmten Kontext löst. Inhalte sind so formuliert, dass typische Situationen, Anforderungen und Entscheidungsfragen dieser Zielgruppe eindeutig erkennbar werden.
Beispiele: Website für Achtsamkeitscoaching bei Führungskräften in Veränderungsphasen oder Webdesign für Kanzleien mit Schwerpunkt Familienrecht.
Die allgemeinere oder „breite Positionierung“
Eine breite Positionierung hält die Website bewusst offen und spricht viele unterschiedliche Zielgruppen oder Einsatzbereiche an. Inhalte bleiben allgemeiner, um möglichst vielseitig einsetzbar zu wirken.
Beispiele: Coaching für persönliche Entwicklung oder Webdesign für Selbstständige und Unternehmen aller Branchen.
Google verlangte Präzision – Menschen konnten sie nicht liefern
Die klassische Google-Suche hatte eine stille Voraussetzung: Du musst wissen, wonach du suchst.
Das führte zu einem strukturellen Problem:
- Suchbegriffe waren zu allgemein
- Probleme wurden zu grob formuliert
- Spezialisierungen gingen unter
- Große Player mit SEO-Ressourcen dominierten
Nicht, weil sie besser passten. Sondern weil sie besser optimiert waren.
Die Folge: Viele hervorragend positionierte Nischenanbieter landeten irgendwo – nur nicht dort, wo sie hingehörten.
KI-Suche dreht das Prinzip um
Mit KI-Suche verändert sich die Richtung: Menschen müssen ihre Probleme nicht mehr korrekt benennen.
Sie dürfen sie beschreiben.
Unscharf. Emotional. Alltagsnah.
KI übersetzt diese Beschreibungen in Bedeutungen. Und genau hier kommt die Nische zurück ins Spiel.
Nische funktioniert jetzt semantisch – nicht technisch
KI sucht nicht nach Keywords. Sie sucht nach Passung.
Das bedeutet:
- Wer klar beschreibt, für wen er arbeitet
- welche Probleme er löst
- in welchen Kontexten
- und wodurch er sich unterscheidet
… wird sichtbar, auch ohne Platz 1 bei Google. Nicht Reichweite entscheidet. Sondern Verständlichkeit.
Früher war Nische ein SEO-Nachteil – heute ist sie ein Empfehlungsvorteil
Breite Angebote erzeugen:
- schwache Signale
- hohe Vergleichbarkeit
- geringe Empfehlungssicherheit
KI ist vorsichtig. Sie empfiehlt lieber etwas Klar-Eingegrenztes als etwas Ungefähres.
Je spezifischer ein Angebot beschrieben ist, desto leichter kann KI sagen: „Das passt.“ Und genau das ist die neue Stärke der Nische.
Menschen mussten früher „richtig suchen“ – heute dürfen sie ehrlich fragen
Ein entscheidender Punkt: Früher scheiterte Sichtbarkeit oft nicht an der Qualität der Anbieter,
sondern an der Ungenauigkeit der Suchanfragen.
Nicht aus Dummheit. Sondern weil niemand ein Suchmaschinen-Seminar besucht.
KI schließt diese Lücke:
- sie versteht Absichten
- erkennt Muster
- verbindet Kontexte
Und plötzlich werden Angebote sichtbar, die vorher einfach nicht korrekt abgefragt werden konnten.
Die Nische der Zukunft ist nicht klein – sie ist präzise
Nische bedeutet heute nicht: „Ich mache nur eine Sache für eine winzige Zielgruppe.“
Sondern:
- klare Kontexte
- typische Ausgangssituationen
- wiederkehrende Probleme
- bewusste Ausschlüsse
Je präziser diese beschrieben sind, desto besser kann KI zuordnen.
Nicht laut. Nicht breit. Sondern passend.
Warum das besonders für Solos, Experten & kleine Studios eine Chance ist
Das Spielfeld wird gerade fairer.
Du brauchst:
- kein großes SEO-Budget
- keine Content-Fabriken
- kein technisches Spezialwissen
Was du brauchst, ist:
- Klarheit
- Tiefe
- gute Sprache
- strategischen Content
Eine sauber beschriebene Nische kann heute mehr bewirken als ein generisches Angebot mit perfekter Optimierung.
Die eigentliche Arbeit liegt nicht im Marketing – sondern im Denken
KI-Sichtbarkeit belohnt keine Tricks. Sie belohnt:
- saubere Positionierung
- konsistente Inhalte
- echte Differenzierung
Die Frage ist nicht: Wie mache ich mich sichtbarer? Sondern: Wie klar bin ich wirklich?
Zum Schluss eine leise, aber entscheidende Erkenntnis
Die Nische war nie tot. Sie war nur schwer auffindbar.
Mit KI-Suche bekommt sie endlich den Raum, den sie verdient. Nicht, weil sie kleiner ist. Sondern weil sie besser passt.